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Liebe Teich- und
Aquarienfreunde!
Vor fast 10 Jahren
begann ich als FACHTIERARZT FÜR KLEINTIERE (www.drbusert.de),
mich auch um erkrankte Fische zu kümmern. Besorgte Koibesitzer waren mit
die ersten Kunden, die an mich herantraten. Anfangs stand ich dem Thema
noch skeptisch gegenüber, zumal vom Studium her wir Tierärzte kaum auf dieses
Thema vorbereitet werden. Jedoch war mein Interesse schnell geweckt. Das
Übrige tat der Tauchsport und die Begeisterung für dieses Thema wuchs von
Jahr zu Jahr.
Ich versehe meinen Dienst gemäß dem Motto
“Vorbeugen ist besser als Heilen”. Hierbei kommt der Beachtung
der Wasserqualität eine vorrangige Stellung zu: Stellen Sie sich bitte einmal
einen Schweinemaststall vor, in dem die Schweine husten ! Solange die Lüftung
in diesem Stall nicht korrekt eingestellt wird, ist der Einsatz von Medikamenten
wenig sinnvoll. (oder sogar schädlich, s.u.) oder anders ausgedrückt: Das
Stallklima ist Einflußfaktor Nr.1 auf die Lungengesundheit der Tiere!!! Und das gilt im Prinzip auch für den Koiteich bzw. das Aquarium!
Vorbild Mutter Natur
Bevor wir in die Materie Wasserqualität weiter einsteigen, möchte ich kurz
den Blick auf “natürliche” Gewässer lenken. In der Regel verfügen diese
über einen kontinuierlichen Wasseraustausch mit dem Grundwasser. Als Schwimmer
bemerkt man diese Strömungen im Sommer in den Baggerseen an den Temperaturunterschieden.
Ein weiterer Aspekt stellt die jährliche Entwicklung der Futterketten dar.
Mit der Zunahme von Licht und Temperatur erwacht das Leben aus der Winterruhe
wieder. Es wird abgelaicht und das erste Pflanzenwachstum keimt auf. Im
Verlauf der nächsten Monate entstehen Schwärme aus Jungfischen, die mit
zunehmendem Wachstum entsprechend Nahrung vorfinden. Zum Herbst werden diese
zum größten Teil dann wieder Opfer der Raubfische und schließlich sind zum
Ende des Zyklus nur noch wenige Fische vorhanden.
Der Koiteich
So gesehen lässt sich durchaus so mancher Koiteich mit einem Maststall vergleichen.
Die Taucher unter Ihnen wissen, wieviel mehr Wasser einem Fisch in freier
Wildbahn zur Verfügung steht (und umgekehrt, wieviel mehr sich eine Karpfenlaus
im See anstrengen muss, um Ihren Wirt zu finden.). Während sich also in
der natürlichen Umgebung eine Nahrungskette erst langsam aufbaut, wird im
Frühjahr - dem Appetit der Koi entsprechend - häufig schon munter drauflos
gefüttert- ohne Beachtung der Wasserwerte!? Der Filter befindet sich noch
in der Phase des Einfahrens und es kommt zum Anstieg giftiger Abfallstoffe.
Hinzu kommen ggf. stark schwankende Wassertemperaturen-gerade bei Teichen
mit einem ungünstigen Verhältnis von Wasseroberfläche/Volumen (Auskühlung!). Die Effizienz des Immunsystems aber verhält sich direkt proportional
zu ansteigenden Wassertemperaturen. Die Folge ist Stress!
Das Aquarium
Es wird geschätzt, dass in Deutschland rund 80 Millionen Zierfische gehalten
werden. Davon werden viele importiert. Nach Kauf beträgt die Lebenserwartung
mitunter nicht mehr als 8-12 Wochen, so dass jährlich mehrere hundert Millionen
Zierfische regelrecht “verbraucht” werden. Diese geringe Lebenserwartung hängt
mit den Fangmethoden (z.B. Natriumcyanid), und mit der Hälterung (z.B. Crowding,
massiver Einsatz von Antibiotika, stundenlanger Transport)
zusammen!
Es macht keinen Sinn, nur auf Verdacht
ein Medikament nach dem anderen ins Aquarium zu geben. Am Ende machen
falsche Medikamente den Fischen (und dem Filter) mehr zu schaffen, als ein
geringer Parasitenbefall. Sinnvoller ist es, nur nach
gestellter Diagnose gezielt Medikamente einzusetzen. Und zur Diagnosestellung
gehört nun mal - z. B. bei Juckreiz- das Anfertigen eines Abstriches mit
sofortiger, professioneller Beurteilung unter einem guten Mikroskop! Und
wer hier kein Mikroskop zur Verfügung hat, kann auch keine Diagnose stellen
! Auch ist zu
bedenken, dass wenn der Filter erst einmal umgekippt ist, in der Regel mehrere
Wochen wieder bis zur Ausreifung benötigt werden ...
Bei der Einrichtung eines Gesellschaftsaquariums
sollte beachtet werden, dass je nach Herkunftsland der Fische diese an unterschiedliche
Gewässer angepasst sind. Sicherlich mag eine gewisse Toleranz gegenüber
davon abweichenden Werten vorhanden sein, aber nach Möglichkeit sollten
die Gesellschaften nachgeahmt werden, die auch in der freien Natur vorkommen.
Barben aus Südostasien sind z. B. an sehr weiches Wasser gewöhnt, während
Buntbarsche aus dem ostafrikanischen Malawisee hartes Wasser kennen. Schwarzwasser
z. B. zeichnet sich durch Ionenarmut, niedrigem pH, Huminstoffe und insbesondere
Keimarmut aus. Eine zu hohe Fischdichte führt zu zusätzlichem
Stress: Auch der Diskus zählen zu den Barschen und diese richten Reviere
ein: Wehe dem, der nicht ausweichen kann !
Fischlein- du stirbst zwar leise, empfindest
trotzdem Schmerz´ und Leid´ auf deine Weise !
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